ADS – wenn das Kind einen Namen bekommt

Vor etwa 2 – 3 Jahren sackte der Knirps – zu dem Zeitpunkt 3. Klasse – immer mehr in der Schule ab. Aus Noten zwischen 2 – 3 wurden auf einmal Noten zwischen 4 – 5.

Gespräche mit der Klassenlehrerin ergaben, er kann alles, er hat nur nicht so richtig Lust… Alles motivieren und reden und belohnen und bestrafen nützte nichts. Monatelange kämpfe zwischen Hausaufgaben und lernen und Hausarrest und Sport-verbot, haben mich und auch den Knirps, an den Rand der Verzweiflung gebracht.

Nach weiteren Gesprächen und schlechten Noten, sind wir auf die Idee gekommen, ihn testen zu lassen. Vielleicht liegt eine Lernschwäche vor? Vielleicht ist er gar nicht über, sondern unterfordert? Also habe ich einen Termin bei einem Kinderpsychiater gemacht und er wurde getestet. Nach wochenlanger Fahrerei (30 km eine Strecke) und Testerei, kam Ende 2015 „endlich“ der Befund.

ADS & Dyskalkulie

Was nun anfangen damit und was heißt das überhaupt? Richtig aufgeklärt wurden wir nicht, aber es stand fest, er kann sich einfach nicht so gut konzentrieren, vor allem, wenn es ihm keinen Spaß macht und er kann nichts mit Zahlen anfangen.

Ok, verstanden! Und nun?

Ein Dyskalkulie wird von den Krankenkassen nicht übernommen und kostet ca. 100,00 € pro Monat! WAS!? Und für das ADS empfahl er Ergotherapie. Gut, wird gemacht… Aber Dyskalkulie? Im Leben nicht… Wenn er gut drauf ist, rattert er das 1×1 runter, wie ein Gebet!?

Klassenlehrerin und Ergotherapeutin waren sich nach kurzer Zeit einig: Keine Dyskalkulie… Vielleicht hatte er bei der Testung einfach keine Lust und konnte sich deshalb nicht konzentrieren.

Also Ergotherapie und gut!

In der 4. Klasse waren seine Noten so schlecht, trotz Ergotherapie, dass wir befürchteten, er müsse die 4. Klasse wiederholen.. Oh nee, und das wo Schule grad so gar nicht sein Ding ist! Also wieder Theater mit Hausaufgaben und lernen usw.

Am Anfang des 2. Halbjahres der 4. Klasse wurde der Knirps „Großer Bruder“. Sein Papa und seine Stiefmama bekamen eine Tochter. Knirps überglücklich und stolz, wurde gelassener, war viel bei seiner Schwester und zack, beendete er die 4. Klasse mit einem 3 er-Schnitt, ohne eine einzige 4 auf dem Zeugnis!

Da er selten über Probleme oder ähnliches redet, hatte ich keine Ahnung, was er sich für einen Kopf über seine neue Rolle, als großer Bruder macht! Somit war der ADS-Befund eigentlich nur eine Zufallsdiagnose. Aber Gott sei Dank, gibt es diesen Befund, denn er erklärt einige Streitigkeiten in unserem Alltag!

Etwa zum gleichen Zeitpunkt bemühte ich mich um einen Therapieplatz, da ich seit Jahren Probleme habe mich und unser Leben zu strukturieren und ich an einem Punkt angelangt war, wo ich das Gefühl hatte auf der Stelle zu treten. Allein erziehend, 450,00 € Job, keine Beziehung und irgendwie keine Perspektive… die Aussichten auf den Therapieplatz waren wenig erfolgversprechend, Warteliste von 8 Monaten… „Soll ich sie drauf schreiben? Ich melde mich auf jeden Fall, sobald es Platz gibt!“ „Ja, machen Sie mal! Vielen Dank!“

8 Monate… Puh! Und bis dahin?

Ich hatte mich für ein Projekt beworben, um dadurch eine Ausbildungsstelle in Teilzeit zu bekommen, wurde aber leider abgelehnt. 2 Tage nach dem Telefonat mit dem Therapeuten, rief plötzlich die Leiterin dieses Projektes an und fragte, ob ich ab der kommenden Woche etwas vor habe, ich könne am Projekt teilnehmen. JUHU!!!

Weitere 2 Monate später fand ich die Liebe meines Lebens, bei meinem 450,00 € Job und weitere 4 Monate später, begann ich eine Ausbildung in Teilzeit. Mein Leben lief… einfach so! Hatte ich echt endlich mal Glück?

Dann der versprochene Anruf des Therapeuten. Wir können noch diese Woche starten! JUHU!!!

Und heute? Etwa 1 Jahr später? Warte ich seit Anfang April auf meine ADS Diagnose! 😀

Nach wochenlangem Gerede, kam zufällig zur Sprache, dass mein Sohn ADS hat und zack, ergab alles einen Sinn! Zumindest vorerst für meinen Therapeuten! 😀

Im April fuhr ich in eine ADS Klinik, zum testen und jetzt warte ich auf den Bericht!

ADS ist erblich bedingt, daher kam mein Therapeut auf die Idee… Ich kann mich schlecht strukturieren, mein Leben ist ein einziges Chaos und ständig hab ich das Gefühl, der totale Depp zu sein und gar nichts hinzubekommen! Und jetzt weiß ich, ich kann gar nichts dafür! Das ist mein Gehirn! 😀

Unser Leben ist so viel entspannter! Ich lerne Techniken und bekomme Tipps, wie ich mir und uns das Leben erleichtern kann und siehe da, es funktioniert. Es ist mit Arbeit und Überwindung und Durchhaltevermögen verbunden, aber solange wir motiviert bleiben, geht alles!

Ich hätte nie erwartet, dass ich mal froh bin, eine Diagnose zu bekommen, auch wenn sie andere Menschen vielleicht abschreckt, oder uns andere belächeln, weil „es diese Krankheit früher auch nicht gab“.

Richtig, aber die Forschung ist nun mal mittlerweile so weit… Ich habe ADS/ADHS auch immer als Modekrankheit abgetan, damit Eltern ihr eigenes Erziehungsversagen rechtfertigen können. Ja, im Ernst! Ich habe nie geglaubt, dass es das wirklich gibt und das die Eltern meist gar nichts dafür können. Jetzt, wo ich viel näher an dem Thema dran bin verstehe ich es!

Der einzige Fehler, den man nicht begehen darf, ist, damit alles zu entschuldigen. Wenn man sich scheiße verhält, dann bestimmt nicht, weil man Konzentrationsprobleme hat! 😀

Wie sieht es bei euch aus? Hat jemand auch schon Erfahrungen in die Richtung gemacht? Oder andere? Wäre froh, wenn sich ein Erfahrungsaustausch ergeben würde 🙂

Liebe Grüße und eine tolle Woche euch 🙂

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